Berlin, 5. Dezember 1875

Eurer Hochgeboren beehre ich mich auf Ihr heutiges Schreiben zu erwidern, dass eine Verwendung des Auswärtigen Amtes für die Freilassung des Dr. Strousberg schon vor meiner Ankunft in Berlin stattgefunden hat. Nachdem ich inzwischen die Frau Strousberg gesehen, habe ich die Anwesenheit des Fürsten Gortschakow benutzt, um die Sache mündlich zu betreiben. Der Fürst hat mir auch seinen Beistand zugesagt, aber wenig Aussicht gemacht, weil, wie er sagt, Strousberg nur einer von sieben Angeklagten und der einzige Nichtrusse sei, und die übrigen nicht bestraft werden könnten, wenn er freigelassen würde. Ob das Verfahren juristisch gerechtfertigt sei, kann mein russischer Kollege bisher so wenig beurteilen wie das Auswärtige Amt dazu im Stand ist. Sehr schwierig wird die Einwirkung von hier aus immer bleiben, da auch der mir persönlich befreundete Justizminister, ein Mann von deutscher Geburt und anerkannter Rechtlichkeit, sein Eingreifen, wenigstens bei der gegenwärtigen Sachlage, für unmöglich erklärt. Indessen werde ich meine Bemühungen fortsetzen, schon weil anzunehmen ist, wie ich auch dem Fürsten Gortschakow gegenüber geltend gemacht habe, dass der Verlust der Gläubiger sich wesentlich vermindern würde, wenn es dem Schuldner möglich gemacht wäre, selbst an der Regulierung teilzunehmen.

Empfangen Euer Hochgeboren die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung v. Bismarck