Gumbinnen, den 14. Mai 1784

Hochgeborener Herr
Höchstgeehrter Herr Wirklicher Kammerherr
Hochgeneigtester Gönner und Herr!

 Im Mai 1784 hielt sich Lehndorff wieder am Berliner Hof auf, vgl. dessen Terminkalender vom Mai 1784 bis zum Mai 1785, in: LASA, StA L, Bestand 21950 FA Lehndorff, Nr. 489.
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Ew. Hochgeboren mit meinen Briefen bis auf Berlin gleichsam verfolgen zu müssen,
habe ich wohl immer geglaubt, nur dass es eine mich selbst angehende dringliche Sache betreffen würde, konnte ich nicht voraussehen.

Mir ist nach einer neuen Departements-Verteilung nicht nur das Angerburgische, sondern ein jedes auswärtige Departement genommen, dahingegen gut ein Dritteil von Kammer- und lauter Rechnungs- und Zahlen-Geschäften übertragen worden.

Mein Kopf ist dazu nicht mehr so recht ausgelegt, meine Augen aber  Gemeint ist wohl die große Fischereikarte, die mehrfach in den Inventaren der Urkunden und Dokumente des eisernen Kastens erwähnt wird, vgl. GStA PK, XX. HA, Rep. 54 Gutsarchiv Lehndorff-Steinort (unverzeichnet). Möglicherweise hatte Becherere hieran sein Melioationsprojekt im Vorjahr erläutert.
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(ich konnte ja auf Steinort auf der großen Karte nicht mit bloßen Augen den Staswin-See finden)
sind seit 22 Jahren bei Zahlen und übermäßigem Arbeiten verbraucht worden. Ich habe dahero gemäß  Anlage. Liegt dem Brief nicht bei.
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Anschluss
des Herrn Etatsministers von Gaudy Exzellenz Vorstellung darüber getan, und dem Herrn Kammer-Assessor von Reck mit Abtretung eines Teils meines Appointements 1/3 Teil meiner künftigen Arbeiten abgeben müssen.

Ew. Hochgeboren bitte ich gehorsamst, die Unzuverlässigkeit meines Gesichts einzuzeugen, und falls Seine Exzellenz sich über meinen Vorschlag ausließen, solchen sowohl als das Gesuch wegen des Rastenburgischen Steuerratspostens höchstgeneigtest zu unterstützen, von wo ich, wenn Ew. Hochgeboren dereinst nach Steinort retournierten, ich mehrmalen die vorzüglichste Ehre, Denenselben mit ruhigerem Gemüte aufzuwarten, haben könnte. Herr Kammerassessor v. Kortzfleisch hat das Angerburgische Departement erhalten, ich habe selbigem auch alle Kommissaria extradiret, nur das wegen Ablassung der Seen und sonderlich des Staswin-Sees habe mir noch vorbehalten. Der Staswin-See gibt den Neuhoffschen Gütern die Vorflut und der Bürgermeister Lenée hat mir letzthin gesagt, dass Ew. Hochgeboren befohlen, Deroselben die Anschläge davon zuzuschicken.

Die Anschläge werden immer ungewiss sein und in der Folge würde es sonderlich darauf ankommen, wie viel annoch auf Melioration, derer diese Güter sehr fähig sind, verwandt wird; jetzt tragen sie 2.940 Rtlr. Mithin würde man im Ankauf wohl bis 45/m Rtlr. gehen können. Lenée vermeinte, Ew. Hochgeboren hätten, falls dieselben das Kammer-Amt Neuhoff und die Lablicksche Güter erkauften, auch ein Absehn auf die Ublickensche für 10/m Rtlr. Hierzu rate ich noch nicht, der Wald ist ausgehauen und der Konkurs nicht mehr weit, und Ew. Hochgeboren würde sie für weit weniger haben können.

Dem sei indes wie ihm wolle, und Ew. Hochgeboren mögten in der Folge die Neuhofschen Güter anständig sein oder nicht, so wäre die Ablassung des Staswin-See immer eine herrliche Sache und Ew. Hochgeboren würden mir eine Gnade erweisen, gelegentlich und im Gespräch mit Sr. Exzellenz dem Herrn Minister von Gaudy, dessen Meinungen hierüber und ob mir wohl diese See-Ablassung auf eigene Entreprise gegen billige Konditiones überlassen werden mögte, zu erforschen, da ich ganz gewiss glaube, dass Sr. Exzellenz mit daran gelegen sein müsste, Sr. Königl. Majestät die Ausführung eines so großen Werks durch einen Kriegsrat von einer unter Sr. Exzellenz stehenden Kammer anzeigen zu können.

Dergleichen Unternehmen ist jetzt nach meinen Erfahrungen recht für mich, und für die Meliorations-Kasse, da ich's auf meine Risique entrepreniere, nichts zu besorgen; selbige bekäme 4 p Cent, höher müsste selbige nicht gesetzt werden. Beständig dürfte ich auch eben nicht in Upalten oder Staswin gegenwärtig und von hiesigem Collegio abwesend sein, und dann und wann könnte mein Herr Korreferent meine Arbeiten sehr gut übernehmen. Ew. Hochgeboren würde im künftigen Sommer selbsten Ihr Vergnügen dabei haben, und  Vgl. hierzu Annalen der Landwirtschaft in den Königlich-Preußischen Staaten, hrsg. vom Präsidium des Königlichen Landes-Oeconomie-Kollegiums, 5. Jg., Bd. 10, Berlin 1847, S. 16 f. Die Entwässerung, als wichtigstes Kulturmittel bezeichnet, des Kruklinner und des Staswin-Sees wird hier erst in die 1830 Jahre datiert. - Zum Plan des Ablassens eines Sees vgl. auch den Tagebucheintrag vom Oktober 1783.
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die Bahn zu Ablassung der polnischen Seen würde gebrochen und vielleicht auf immer währende Zeiten was Gutes gestiftet.

Der Hochgräflichen Frau Gemahlin Gnaden nicht weniger Ew. Hochgeboren empfehle mich untertänig und bin mit größtem Respekt

Ew. Hochgeboren ganz gehorsamster treuer Diener Becherer