Florenz, 24. März 1825

Als ich im vergangenen Winter das Vaterland besuchte, hoffte ich mit Zuversicht, Dich, mein lieber Lehndorff, bei dieser Gelegenheit wiederzusehen und Dir mündlich meinen Glückwunsch zu Deinem Eintritt in den heiligen Ehestand abstatten zu können. Ein unangenehmer Querstrich in meinen Plänen nötigte mich früher, als ich es beabsichtigte, meine Rückreise nach Berlin, und zwar auf dem kürzesten Wege, anzutreten, wodurch ich des Vergnügens, mit Dir ein paar Tage in Danzig zuzubringen, beraubt wurde. Es bleibt mir freilich die Hoffnung, das Versäumte noch in diesem Jahr wieder einzuholen, weil ich zur endlichen Organisation meiner Vermögensangelegenheiten in 7 bis 8 Monaten wieder nach Preußen reise. Werde ich Dich dann aber in Danzig treffen? Sehr lieb würde es mir sein, darauf im Voraus mit Gewissheit zählen zu können; wenn Du es also über Dich gewinnen kannst, mir mit ein paar Zeilen diese Aussicht zu erörtern oder eine andere Weise unseres Zusammenkommens vorzuschlagen, so wirst Du, mein lieber Lehndorff, mir ein recht großes Vergnügen machen.

Ich bin seit beinahe 14 Tagen hier in Missionsgeschäften und werde erst gegen Ende Mai mit meiner in Turin zurückgebliebenen Familie wieder zusammentreffen; demnach ist es immer am besten, die Briefe an mich nach Turin zu adressieren, von wo sie mir sicher zukommen.

Es wird Dir wohl nicht entfallen sein, dass ich Dir im Jahr 1815 einen Schuldschein von, wie ich glaube, 200 Fl.   Unleserliche Stelle [...] oder 20 St. Dukaten vom Rittmeister Wilczeck von den Brauen Husaren mit der Bitte zugestellt, diese Forderung für mich einzuzessieren und gelegentlich zukommen zu lassen. Seitdem habe ich nichts weiteres davon gehört; ich muss also den Mann wieder an seine Verbindlichkeit erinnern, bedarf aber hierzu des Schuldscheins, es sei denn, dass er wirklich gezahlt hätte, was mir indessen keineswegs wahrscheinlich ist. Hättest Du also die Güte, mir jenen Schuldschein zurückzustellen, oder wenn Du ihn verloren hättest, mir die schriftliche Erklärung zu schicken, dass er nie bezahlt worden ist, und dass der Wilczeck nicht Dir, sondern mir den Betrag desselben zu bezahlen hat? Dein sich hierauf beziehender Brief ist vom 18.7.1815 und das eingelegte Schreiben des v. Wilczeck, wodurch er die Schuld anerkennt, vom 4.7. dess. J. datiert.

Ich hoffe, durch Aufwärmung dieser erkalteten und wahrscheinlich nahrungslosen Suppe Dich umso leichter zu einer freundlichen Antwort zu vermögen. Empfange unterdessen die erneute Versicherung meiner Dir gewidmeten herzlichsten Freundschaft und Anhänglichkeit.

L. Waldburg Truchseß

Deiner Gemahlin unbekannterweise meine gehorsamsten Empfehlungen, sowie auch sehr viele Grüße, wenn ich bitten darf, für  Hermann von Hohenzollern-Hechingen war verheiratet mit Karoline Freiin von Weiher aus dem Hause Groß Boschpol, Tochter des preußischen Landrats Ernst Carl Ludwig von Weiher. Beide lebten auf Schloss Oliva. Die Tochter Maria blieb unverheiratet. Deren Briefe an Lehndorff in: APO, Bestand 382 FA Lehndorff, Nr. 347 (1832-1836)
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Hermann Hohenzollern und seine Frau
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