Lyck, den 23.10.81

Hochverehrte gnädige Frau Gräfin!

Der Besitz der freundlichst übersandten M 50 und der eines so unendlich lieben Schreibens hat mir so viel Freude bereitet, dass ich Tag und Nacht Ihrer lieben Fürsorge dankend gedenke und unseren himmlischen Vater um ihr Wohlsein und um alles Gute für Sie herzlich bitte. Meinen herzlichen und untertänigsten Dank für die reiche Gabe und für das hohe Wohlwollen. Den Herrn Pastor Goetz habe ich wiederum meinetwegen angefragt und von Frau von Hamilton habe ich eine abschlägige Antwort erhalten. Sie schrieb, dass sie uns herzlich gern auch unentgeltlich aufgenommen hätte. Sie hat aber ihrem Sohn das Gut   Textverlust [...] gekauft und ist zu ihm   Textverlust [...]

Nun will ich noch an Frau Napolski schreiben, vielleicht dass die uns aufnehmen möchte.

Meine Schwester Anna kommt den 3. November nach Hause und wird sich gewiss über Ihre gütige Sendung ebenso sehr freuen.

Was werden Sie aber, gnädige Frau, dazu sagen, wenn ich einen Teil von dem Gelde schon verausgabt und mir einen Wintermantel gekauft habe? Ohne denselben kann ich die Reise nicht antreten und ist die Kälte auch schon so stark, dass ein Mantel erforderlich ist. Ich fühle mich wirklich sehr glücklich, ihn zu besitzen, wenn nur Sie, verehrte Frau Gräfin, mir dieserhalb nicht zürnen möchten, da ich von dem Gelde für den Mantel 27 M ausgeben musste. Meiner Schwester Anna fehlt ebenfalls sehr notwendig einer, und würde das Geld fast zu dem zweiten Mantel ausreichen. Wir bitten sehr um Verzeihung, dass wir das Geld nicht in Ihrem Sinne verwenden, wir wären ja sonst nicht zu Mänteln gekommen, da unsere Verhältnisse es nicht gestatteten, uns welche anzuschaffen. Sollten wir, geehrte Frau Gräfin, Ihr Missfallen erregt haben, so bitten wir nochmals herzlich um Verzeihung. Sie können glauben, dass Sie dadurch zwei Herzen unendlich glücklich gemacht haben.

Herzlichsten Dank für alles Gute, wünsche meiner Wohltäterin Gottes Segen und den Himmel auf Erden, hauptsächlich Ihrem ganzen Hause Gesundheit. Möge Gottes   Textverlust [...] Heiland Ihnen die   Textverlust [...] Wohltaten   Textverlust [...] Wohlwollen tausendfach vergelten und die innigen Wünsche erfüllen

Ihrer untertänigsten Elisabeth v. Knobloch

Zitierhinweis

Elisabeth von Knobloch an Anna Gräfin von Lehndorff. Lyck, 23. Oktober 1881. In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: https://lebenswelten-lehndorff.bbaw.de/dokumente/detail.xql?id=lehndorff_dd1_fvx_fdb