Berlin, 28. September 1936

Hochgeehrter Herr Generaldirektor!

Wie Herr Privatdozent Dr. Tassilo Hoffmann Ihnen bereits mitgeteilt hat, besteht die Notwendigkeit, die zur Zeit in Groß-Steinort, Kreis Angerburg (Ostpreußen) befindliche, zum Nachlasse des Herrn Grafen Lehndorff-Steinort gehörige Münzensammlung nach Berlin zu bringen,  Er hatte in den Deutschen Münzblättern im März 1936 einen Nachruf auf Graf Lehndorff veröffentlicht. Im selben Jahr erschien u. a.: Eine Lehndorff-Medaille, Deutsche Münzblätter N. F. 12. Bd., 56 (1936), S. 12-13. Vgl. auch Waschinski, E., Das Münzkabinett des Grafen Lehndorff-Steinort, in: Deutsche Münzblätter, hrsg. von Tassilo Hoffmann und Busso Peus, N. F. XI. Bd., 54/55 (1934/35), S. 452-454. Waschinski hatte sich auf Einladung Lehndorffs zu Studienzwecken in Steinort aufgehalten. Er hebt hervor, dass Lehndorff eine „kleine Fideikommiss-Sammlung von Münzen und Medaillen vorfand und sie in Jahrzehnten zu dem heutigen so prachtvollen Münzkabinett ausgebaut hat‟. Nach seinem Dafürhalten überragte die Lehndorffsche Sammlung die Sammlung der Marienburg und war „auf dem Gebiete der Deutsch-Ordens-Münzen in Preußen‟ mit rund 1.300 Ordensbrakteaten, die sich auf 23 Arten verteilen, die „größte der Welt‟. Ihren besonderen Wert erhalte sie durch die seltenen Kriegsmünzen des Hochmeister Albrecht von Brandenburg, Münzprägungen der Kreuzfahrerstaaten und auf Steinorter Gebiet gefundene Kalifenmünzen sowie die Sammlung der Gepräge des Herzogtums Preußen. Ein weiteres Sammelgebiet war Brandenburg-Preußen, darunter auch Prägungen aus der Zeit der russischen Okkupation unter Kaiserin Elisabeth. Neben den Münzen gab es eine Kollektion Brandenburg-Preußischer Medaillen. Waschunski schätzte den Gesamtumfang der Sammlung auf ca. 60.000 Münzen und Medaillen.
 [Schließen]
damit Herr Dr. Hoffmann hier die bereits von ihm begonnenen Arbeiten zu Ende führen kann.
Mit Rücksicht auf das große Interesse, dass das Staatliche Archivkabinett an der bekannten Brandenburg-Preußischen Sammlung hat, gestatte ich mir die ergeben Bitte an Sie zu richten, die Erlaubnis dazu zu erteilen, dass die Sammlung in den Räumen des Staatlichen Münzkabinetts vorübergehend untergebracht wird. Es wird sich wahrscheinlich um die Zeit von Anfang November bis Mitte 1937 handeln. Über die näheren Einzelheiten wird Herr Dr. Hoffmann bereit sein, sich mit Ihnen zu unterhalten.

Indem ich für die erbeten Gefälligkeit im Voraus den verbindlichsten Dank ausspreche, verbleibe ich in ausgezeichneter Hochachtung

Heil Hitler
Ihr sehr ergebener
Siebert
Rechtsanwalt und Notar,
Testamentsvollstrecker des Graf Lehndorff-Steinorter Nachlasses