Königsberg in Pr., den 29. Juni 1813

Hochgeborener Graf!
Gnädigster Herr!

Euer Hochgeboren werden gnädigst verzeihen, dass ich eine Bitte an Sie wage, weil deren Erfüllung für Ew. Gnaden sehr leicht ist, da ich ohnedem das Zutrauen zu Ew. Gnaden habe, indem dieselben so viel Liebe bei der Anwesenheit in Königsberg bewiesen haben.

 Vgl. die „Bekanntmachung über die Formation des Preußischen National-Kavallerie-Regiments‟, in: Schultze, Maximilian (Hrsg.), Christian Friedrich Carl Ludwig Reichsgraf Lehndorff-Steinort ... Ein Lebensbild auf Grund hinterlassener Papiere, Berlin 1903, S. 352-357. Zu der im Brief geschilderten Problematik, die „Quelle vielfache Unzufriedenheit“ war, vgl. ebd. S. 398 ff. und Lehndorffs Schreiben (an Thiele?) vom 29. April 1813 ebd., S. 378-382.
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Ich habe durch mehrere erfahren, dass den Eliten bei dem Ostpreußischen National-Kavallerie-Regiment die Vorrechte der Jäger-Detachements nicht zugestanden worden sind, dass aber ein Jäger-Detachement aus demselben errichtet worden, welches die Vorrechte genießt.
Mein Sohn sowie mein Brudersohn haben zwar bei einer Gelegenheit unterschrieben, dass sie beim Regiment bleiben wollten, solches aber in der vermutlichen Voraussetzung, dass die Eliten, welche beim Regiment bleiben, die nämlichen Rechte als die Jäger erhalten. Da dieses aber jetzt nicht der Fall ist, und sie als ein immerwährendes Regiment betrachtet werden sollen und folglich als ein solches auch danach behandelt werden, aus dieser Ursache finde ich mich genötigt Ew. Hochgeboren zu bitten, meinem Sohn, dem Ernst Friedrich Seidler, und meinem Brudersohn, dem Gottfried Theodor Seidler, bei dem Jäger-Detachement desselben Regiments oder, wenn dasselbe schon vollzählig sein sollte, zu den Jägern der Schwarzen Husaren Regiments übergehen zu lassen; lieber wäre es mir aber, wenn sie zu dem Jäger-Detachement des National-Kavallerie-Regiments bleiben könnten, da es ohnedem gleichviel ist, wo Sie Sr. Majestät dem Könige dienen, nur dass sie die Vorrechte genießen, welche ihnen versprochen und welche Sr. Majestät der König den freiwilligen Jäger-Detachements zugestanden hat.

Da ich meinen Sohn und Brudersohn selbst equipiert und beritten gemacht und noch so mache Unterstützung dem Regiment geleistet habe, so glaube ich umso mehr, dass Ew. Hochgeboren mir diese Bitte nicht versagen werden.

Die Liebe und das Zutrauen, welches Ew. Hochgeboren bei uns Königsbergern zurückgelassen haben, lässt mich hoffen, keine Fehlbitte getan zu haben, wodurch Sie mich als Vater dieser beiden jungen Leute sehr beruhigen werden.

Nochmalen bitte ich um Verzeihung meiner Dreistigkeit, und verbleibe mit der größesten Hochachtung und Zutrauen Ew. Hochgeboren ganz ergebenster Diener Theodor Seidler
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Zitierhinweis

Theodor Seidler an Carl Friedrich Ludwig Graf von Lehndorff. Königsberg, 29. Juni 1813. In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: lebenswelten-lehndorff.bbaw.de/lehndorff_gxm_pkq_bbb