Drengfurth, den 28. Oktober 1878

Hochverehrte Frau Gräfin!

Wenn Sie der Invalidenwitwe Marie Legatk in Bialla ihre Bitte, eines ihrer Kinder in unser hiesiges Waisenhaus aufzunehmen, erfüllen wollen, so kann ich ja nichts dagegen haben; nur übernehme ich keine Verpflichtung, dasselbe auch zu unterhalten.

Denn das von mir zusammengebettelte Geld habe ich für Waisenkinder erbeten, die ohne Eltern und bei fremden Leuten untergebracht sind, wo sie so gut wie gar keine Erziehung erhalten. Nehmen wir Kinder auf, die noch eine Mutter haben, so brauchten wir gar nicht weit zu suchen, wir haben sie ganz in der Nähe, und zwar in einer noch viel übleren Lage als diejenige der Kinder der Frau Legatk ist, und daher vorgehen würden, weil ich sonst in der Gemeinde Drengfurth keine Sammlung mehr veranstalten könnte.

  Editorische Auslassung [...]

Die  Die Monatsschrift „Aus der Stadtmission‟, vgl. den Brief vom 14. Januar 1879.
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Blätter für die Innere Mission in Berlin
habe ich empfangen, auch Ihnen gleich darauf berichtet, dass und aus welchen Gründen auf eine pekuniäre Unterstützung von hier aus gar nicht zu rechnen ist. Das ist ein Werk, dessen Stärkung nur auf die Reichen fällt, welche ihre Sorge auch auf entferntere Punkte wenden können. Reiche aber habe ich in meiner Gemeinde nicht, selbst nicht unter den Gutsbesitzern, abgesehen davon, dass die meisten von diesen dem Christentum und der Kirche ganz fern stehen.

Dass Sie, hochverehrte Frau Gräfin, selbst im Winter fern von der Heimat und von uns weilen, muss seinen Grund in schmerzlichen Ursachen haben, was mir herzlich weh tut. Der Herr wolle in Gnade diese Ursachen beseitigen so bald als möglich, damit Sie uns wieder zurückgegeben werden, was von Herzen wünscht

Ihr gehorsamster Westphal, Pfarrer