Berlin W. 35, Schöneberger Ufer 13, den 29. Juli 1915

Seiner Hochgeboren Herrn Grafen Lehndorff-Steinort,
Rittmeister Grenadier Regt. zu Pferde
77. Res. Division, Res. Inf. Regt. 255, Regimentsstab im Osten

Euer Hochgeboren werte Karte haben wir empfangen und gestatten uns höflich drauf aufmerksam zu machen, dass wir die nachbestellten Mützen am 3. Juli ds. Js., wie auch in der Rechnung bemerkt, an das Militär-Paket-Depot Königsberg zur Weiterbeförderung an Euer Hochgeboren abgesandt haben, allerdings unter damals angegebener Adresse: Grenadier Regiment zu Pferde, Stab Jäger-Regiment zu Pferde 10 II. Division.

Wir hoffen, dass dieselben nunmehr in ihren Besitz gelangt sein werden, eine Anfrage unsererseits bei dem Militär-Paket-Depot wäre zwecklos. Wir haben schon öfter Anfragen an die Militär-Paket-Depots gerichtet, stets aber den Bescheid erhalten, dass die Sachen, sowie sie dort eintreffen, weitergehen. Eine nähere Auskunft kann aber nicht erteilt werden.

Wir schreiben aber gleichzeitig an das Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 10, II. Division und werden dort beantragen, dass das Paket an das Res. Inf. Regt. 255, 77. Res. Division, Regimentsstab im Osten weitergeleitet werden soll.

Mit Erstaunen haben wir aus Ihrer werten Postkarte ersehen, dass Sie unsere Rechnung als „gesalzen‟ bezeichnen. Wir haben dieselbe daraufhin nochmals nachgesehen und gestatten uns höflichst darauf aufmerksam zu machen, dass die Preise in derselben vollkommen in Ordnung gehen. Wir glauben kaum, dass Euer Hochgeboren den Preis des Feldrocks, der Achselstücke, der Knöpfe oder auch der Mützen für zu hoch betrachten dürften, wahrscheinlich bezieht sich der Ausdruck nur auf die Preise der Reparaturen. Hierzu möchten wir aber bemerken, dass schon in Friedenszeiten die Arbeiter, welche die Reparaturen ausführen, an und für sich, laut des allgemeinen Tarifs der deutschen Schneider-Zwangs-Innung, ziemlich hohe Löhne beanspruchen dürfen; dass aber jetzt während des Krieges, und namentlich nach den in Masse erfolgten Einberufungen von Landsturmleuten, keine Schneider mehr zu haben sind, die zu dem alten Tarif arbeiten, sondern dass ganz enorme Zuschläge von uns wie von anderen Geschäften der Branche bezahlt werden müssen. Man muss den Leuten außer dem hohen Lohn noch recht gute Worte geben, wenn sie derartige Abänderungen und Reparaturen vornehmen sollen, da sie ja bei neuen Stücken, infolge der glatten, leichteren Arbeit, mehr verdienen, als bei den immerhin ziemlich Zeit raubenden Ausbesserungarbeiten.

Euer Hochgeboren wollen überzeugt sein, dass uns nur ein bescheidener Nutzen bei den Ihnen berechneten Preisen verblieben ist.

Hochachtungsvoll [Paraphe]