Steinort, den 12. Dezember 1807

Gnädigster Herr Graf.

Die Pferde sind den 5. Tag zeitig und gesund von Königsberg zurückgekommen, die Lichte und Briefe hat Carl richtig mir abgegeben und ich werde alles dem Auftrag gemäß besorgen. Hier in Steinort und auf den übrigen Vorwerken ist alles gesund und gut.

Kuegler hat wegen seiner Abholung geschrieben. Da die Sachen aber doch künftiges Jahr noch alle so auf den alten Fuß stehenbleiben sollen und die Witterung schlecht, die Tage kurz, so habe ich ihn vor Weihnachten nicht abholen lassen, sondern ihm geschrieben, bei dem ersten Frost ihn abholen zu lassen, damit er die Waldvermessungen vornehmen kann, und ich in der Zeit die Grenzen räumen und die Stallstäbe durchhauen lassen kann. Er hat mir auch ein Verzeichnis der schon vermessenen Dörfer überschickt. Nach seiner Vermessung hat

  • Stawken 17 Huben und soll haben 24 1/2 Huben, es fehlen also 12 1/2 Huben
  • Pristanien 25 1/2 Huben und soll haben 39 1/2 Huben, es fehlen also 14 Huben
  • Stawisken 22 3/4 Huben und soll haben 32, es fehlen also 9 1/4 Huben
  • Kittlitz 8 3/4 Huben und soll haben 12, es fehlen also 3 1/4 Huben,

es fehlen also diesen 4 Dörfern und Vorwerken 39 Huben, und nun noch Taberlack und Serwillen dazu gerechnet,  Vgl. GStA PK, XX. HA, Rep. 54 Gutsarchiv Lehndorff-Steinort, Nr. 622: Denkschriften des Grafen über das „Edikt betr. den erleichterten Besitz und den freien Gebrauch des Grundeigentums sowie die persönlichen Verhältnisse der Landbewohner“ vom 9. Oktober 1807 sowie Nr. 65: Landschaftliche Taxe von den Steinortschen Gütern, 12. August 1809. Hier auch zahlreiche Ausarbeitungen und Notizen Lehndorffs zur Land- und Gutswirtschaft auf den Steinortschen Gütern ab 1801, beinflusst von den in Möglin erworbenen Kenntnissen (Stand der Gutswirtschaft in Steinort und Serwillen, generelle Ziele, kurz- und langfristige Projekte wie Runkelrübenanbau, Feldeinteilung und Fruchtfolge, Pferdezucht, Ausweitung der Milchwirtschaft, Bauprojekte, aber auch theoretische Abhandlungen, wie z. B. „Über die Agrikultur in Preußen, wie sie war, wie sie ist und was denn zu hoffen steht“ und „Ideen über einen Ackerkatechismus für Landleute“ bis hin zu Überlegungen zur Notwendigkeit eines Ökonomen)
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so werden gewiss 60 Huben fehlen, für welche die Güter und besonders die Bauern alle Lasten tragen müssen
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Ew. Hochgeboren sind wohl so gnädig und fragen Ihro Exzellenz Dero Frau Mutter, ob ich die von hier für die Königsbergsche Wirtschaft zu mästenden 4 Schweine hier einsalzen und räuchern lassen soll.

Meine Frau mit mir empfehlen uns sämtlichen hohen Herrschaften zur ferneren Gnade und ich ersterbe hochachtungsvoll

Ew. Hochgeboren untertänigster Diener Berent

Zitierhinweis

Friedrich August Berent an Carl Friedrich Ludwig Graf von Lehndorff. Steinort, 12. Dezember 1807. In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: lebenswelten-lehndorff.bbaw.de/redirect.xql?id=lehndorff_lf1_gqg_hdb