Berlin, den 25. Februar 68

Mein verehrtester Herr Archivrat!

 Vgl. den Brief vom 20. Februar 1868.
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Es tut mit unendlich leid, Ihnen mit meiner Bitte lästig gefallen zu sein.
Da mein Mann gar kein genealogisches Interesse hat, so bin ich als Frau ganz auf die Liebenswürdigkeit der Herren angewiesen, die für solche Forschungen ein warmes Interesse haben, und um der Sache willen mir ihren gewichtigen förderlichen Rat gütig erteilen wollen.

Da dieses nun schon einmal bei Ihnen der Fall gewesen, und Ihr liebenswürdiger Brief vor Jahren bei mir noch in dankbarer Erinnerung steht, so hoffte ich, auch jetzt einen gütigen Rat von Ihnen zu erhalten in einer Angelegenheit, der Sie früher Ihr Interesse gewidmet, und auf die Sie durch Ihre mühevolle und schätzenswerte Arbeit ganz neues Licht geworfen.

 Mit Unterstützung Benders hatte Anna Lehndorff in Ost- und Westpreußen alles auf die Vergangenheit der Lehndorffs bezügliche Material gesammelt und auch die Grabmonumente der Kirche in Pr. Eylau untersucht. Vgl. Sommerfeldt, Gustav, Die Lehndorff-Gräber in der Kirche zu Haffstrom bei Königsberg, Ostpr., in: Der Deutsche Herold, Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde, Bd. 37, Berlin 1906, S. 63-67.
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Ich konnte unmöglich glauben, dass Sie mit Ihren gewichtigen Kenntnissen durch die so ganz oberflächlich gehaltenen Urteile des Prof. Bender sich verletzt fühlen könnten, da diese Arbeit sich ja doch selbst richtet, und ich Ihnen dieselbe zumeist nur deshalb unterbreitete, um Ihre Hilfe zur Auffindung besserer Kräfte mir zu erhalten.

Sie hatten mir selbst vor Jahren angeraten, fernere Erforschungen des Provinzialarchivs zu Königsberg vornehmen zu lassen, dass ja, so wichtig und umfassend Ihre Abhandlung über unsere Familie war, hier doch noch manche Lücke enthielt, die für eine Familiengeschichte weitere Forschungen wünschenswert machte.

Ich kann nur wiederholen, dass es mir unendlich leid tut, Sie unwissentlich durch Zusendung der kritiklosen Arbeit Dr. Benders verletzt zu haben, indem ich überzeugt war, durch meine Bitte um Rat meine Hochschätzung Ihrer reichen, wissenschaftlichen Kenntnisse und meiner völligen Unbefriedigtheit mit den anderen Arbeiten am besten dokumentiert zu haben.

Zugleich bitte ich ebenfalls sehr um Entschuldigung wegen des unfrankierten Pakets, was durch die Vergesslichkeit eines alten Dieners geschehen. Es verstand sich übrigens von selbst, dass ich Ihnen und Ihrer reich besetzten Zeit eine Sie mehr als einige Stunden in Anspruch nehmende Arbeit nicht zugemutet, ich hoffe darum, dass Sie, mein werter Herr Archivrat, meine unbeabsichtigte Belästigung mir verzeihen werden.

Hochachtungsvoll A. Gfin. Lehndorff geb. Gf. Hahn