Steinort, 17. April 1893

Hochgeborene Frau,
Gnädigste Frau Gräfin!

Euer Hochgeboren erlaube ich mir gehorsamst zu melden, dass Herr Graf am Sonnabend um 9 Uhr abends hier eintraf und voraussichtlich morgen nach Birkenfeld fährt, um dort mit Herrn Oberlandstallmeister zusammenzutreffen. Mit 10 Mark Reisegeld dürfte Herr Graf nicht zufrieden sein; wenn ich nicht irre, bat er in der gestrigen Karte an Euer Hochgeboren um 50 Mark.

Von Kölling ist noch keine Antwort eingetroffen, er wird wohl noch einige Tage damit warten und sich erst mit dem Ingenieur, welcher hier residiert, in Verbindung setzen. Letzterem ist das ausgehende Stück der Kesselwand übersandt, um darauf seinen Bericht abfassen zu können. Ein Maschinist braucht vorläufig nicht zu kommen, da Kessel und Maschine gut funktionieren. Sollte eine Herausnahme des Kessels nötig werden und an seine Stelle ein Locomobile in Betrieb gesetzt werden müssen, so ist die Anwesenheit eines Monteurs auf kurze Zeit nötig, da die Locomobile nicht als Betriebsmaschine sondern als Dampferzeuger arbeiten soll, also nur ein Dampfrohr von derselben nach der Dampfmaschine und die übrigen Dampfrohre in der Molkerei anzubringen ist [sic!]. Die Bedienung der Locomobile würde Maschinist übernehmen.

Der Schaden durch die Betriebsstörung ist nicht nennenswert. In Drengfurt wurde nur einmal gebuttert. Am Donnerstag gingen wie gewöhnlich 2 Fass und heut 3 Fass Butter ab. Wir bekommen in diesem Monat wieder für 21 Fass Zahlung; allerdings fällt wieder der Butterpreis. In diesen Tagen werden wir auch zum ersten Mal 1.000 Liter erreichen, gestern waren es bereits 997.

Die Schweine, welche heute abgingen, bringen 1.719 M, von denen, wie ich bereits gestern berichtete, aber 1.143 M abgehen.

Das gute Wetter hat nicht lange gedauert, diese Nacht hatten wir Frost, jetzt Sturm mit Schnee und Hagelböen. Wie viel die Saat gelitten, lässt sich wohl erst nach einigen warmen Tagen beurteilen.

Nach Danzig ging heute früh die Schnepfe ab.

Nachdem in Klein Steinort zwei Kinder des Instmann Bartnik dem Scharlach oblagen, scheint die Krankheit vorüber zu sein.

In tiefster Ehrfurcht verharre Euer Hochgeboren gehorsamster Diener Schirrmacher