Berlin, 8. August 1855

Euer Hochgeboren

habe ich vor meiner Abreise vor 5 Wochen weder auf die Fragen bezüglich der neuen Gruft antworten, noch die nicht ganz vollendeten Zeichnungen schicken können.  Dem in Stülers Büro beschäftigten Architekten H. Lauenburg, siehe dessen Schreiben wegen des neuen Entwurfs an Lehndorff vom 9. Juli 1855 in der Akte, Bl. 23-24. Hierin äußert er sich zu Baudetails und verweist er auf die guten Erfahrungen, die Stüler bei der Verwendung von Zopfsteinen für die Wölbung des Saales bei dem neuen Königlichen Museum gemacht habe. Die Zeichnung des Erbbegräbnisses liegt der Akte bei, Bl. 1-2.
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Da ich nun beides einem jungen Mann überlassen musste
, so weiß ich nicht, ob es genügend geschehen sei, und bitte daher ergebenst, mich hierüber beruhigen zu wollen. Hinsichtlich einiger Punkte erlaube ich mir noch folgendes anzuführen:

1. Die Pfeilerspitzen können auf dreierlei Weise ausgeführt werden
a.) aus sehr festem wetterbeständigem Ton von der hiesigen Marchschen Fabrik (sogenannte Steinmasse), welchem durch Zusatz von Mineralien die Farbe des dortigen Tones gegeben werden kann
b.) aus Gusszink
c.) aus getriebenem Zinkblech.
Letzteres ist das Wohlfeilste, das erstere das Vorzüglichste, weil am meisten homogen mit der ganzen Baumasse. Übrigens würden die Türmchen wohl jedenfalls hier - wenn nicht in Königsberg - auszuführen sein, damit sie dauerhaft und glanzvoll ausfallen.

2.   „Der Bau ist in rotem Backstein verkleidet. Insgesamt präsentiert die Kapelle sich in neogotischer Gestaltungsform. Der Grundriss und die an den acht Ecken angelegten Strebepfeiler sind auch aus statischen Gründen gewählt worden, um den Gewölbeschub sicher abtragen zu können. Die Fassadenachsen weisen jeweils eine hohe Spitzenbogenöffnung mit Rautenverglasung und Dreieckübergiebelung mit Occulusöffnung darin auf. Der Bau besteht aus einem achteckigen Untergeschoss mit nach innen eingezogenen Strebepfeilern und Zeltgewölbe sowie einem Kapellenraum, bei dem durch ein eingezogenes rundum verlaufendes Gurtgesims ein Doppelgeschoss angedeutet ist, mit in die Wand-Ecken eingestellten schmalen kapitellbekrönten Säulen. Ein filigran gestaltetes Sternrippengewölbe überspannt den Kapellenraum“. Vgl. https://deutsch-polnische-stiftung.de/projekte/1609-2.
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Der ganze Bau war nicht anders als in gefugtem Rohbau (mit Stabfugen) gedacht.
Jede andere Art der Ausführung würde m. E. weniger dauerhaft und passend sein. Wegen der vielen, schwierig in Kalkstein herzustellenden Ecken würde ich dieselben nur zum untersten Absatz des Bauwerks über der Erde inkl. Fundament, zum eigentlichen Oberbau aber Ziegel anzunehmen raten. Die Gliederungen p. müssen in Backsteinen ausgeführt werden.

3. Als Dachmaterial würde mir Schiefer bei weitem das liebste sein. Ich hoffe, dass in Königsberg ein Schieferdecker existiert, welcher die Arbeit sowohl als die Beschaffung englischen Schiefers besorgt. Der Stadtbaurat Böhm würde darüber die beste Auskunft geben können. Da die Flächen nicht groß sind, so würde die kleinere Kante zu verwenden sein. Der Schieferdecker müsste zur Bestellung desselben eine Zeichnung des Daches erhalten. Die Kehlen werden in Gegenden, wo Schieferbedachung sehr zu Hause ist, in der Regel ebenfalls ausgeschiefert, dort möchte starkes Zink No. 13-14 (oder starkes Kantenblech) anzuwenden sein.

Die übrigen in Euer Hochgeboren Schreiben enthaltenen Bemerkungen sind in der Zeichnung berichtigt. Sollte aber irgend eine Auskunft noch jetzt oder später zu geben sein, so wissen Sie, wie gern dazu bereit ist

Euer Hochgeboren ganz ergebenster Stüler