Tolks bei Bartenstein, 23. Dezember 1890

Sehr geehrte gnädigste Frau Gräfin,

Aus dem  Liegt der Akte bei.
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beikommenden Aufrufe
werden Sie ersehen, um was es sich handelt. Wenn Stoecker nach dem Ausscheiden aus seinem Amte seine ganze Tätigkeit der Berliner Stadtmission und der Leitung der christlich-sozialen Partei widmet, so bedarf er dringend eines Saales, in dem er sonntäglich Gottesdienst halten kann. Das seitherige Stadtmissionshaus ist seiner Räumlichkeit und seiner Lage nach hierzu nicht geeignet

Meine Bitte geht nun dahin, dass Sie, geehrte Frau Gräfin, entweder selbst in den Kreisen Angerburg und Lötzen eine Sammlung an Beiträgen zu entsprechendem Zweck bei wohlhabenden und der Sache zugetanen Personen veranstalten, oder mir gütigst in jedem der gedachten Kreise ein oder mehrere Personen angeben, an welche ich mich mit Erfolg wenden könnte, um eine solche Sammlung herbeizuführen. Ich würde sodann Ihnen beziehungsweise den mir von Ihnen genannten Personen eine genügende Anzahl des angeschlossenen Aufrufs übersenden.

Die Geldbeträge können an die Ritterschaftliche Darlehenskasse in Berlin eingezahlt werden, und würde ich mir ein Verzeichnis der gemachten Zeichnungen erbitten.   Editorische Auslassung [...]

Lässt sich die eingekommene Summe übersehen, so werden die in allen Provinzen des Staates gebildeten Komitees von Oberpräsident v. Kleist-Retzow zusammengerufen werden, um über die Verwendung des Geldes Beschluss zu fassen, ob ein Neubau möglich ist, von welchem Stil und welcher Größe das Bauwerk, oder ob die Mittel nur zur Miete eines Lokals ausreichen.

Mich Ihrem geneigten Wohlwollen empfehlend zeichne ich mich mit vorzüglicher Hochachtung
gnädigster Frau Gräfin Ihr gehorsamster
von Tettau