Steinort, den 19. Oktober 1913

Euer Hochgeboren!

Infolge der erhaltenen Depesche besuchte ich also die Versammlung im Schlosshotel, von welcher ich absolut keine Ahnung hatte, bis ich die Bekanntmachung gestern Mittag im Kreisblatt las, als mein Wagen bereits vorgefahren war. Die Versammlung war schwach besucht, der Vortrag sehr klar und interessant. Landrat von Braun(?) Gerdauen und Landrat von Knipphausen Rastenburg waren auch da für Rastenburg, Friedland, Gerdauen. Es handelt sich vorläufig darum, dass der Kreistag Angerburg seinen Beitritt erklärt, was im Kreistag beschlossen werden muss, erst dann kommt die Beitrittserklärung der   Unleserliche Stelle [...] .  Zu Landrat Wilhelm Heyl und Bürgermeister Otto Laser vgl. Braumüller, Bernhard, Angerburg von A-Z. Ein Nachschlagewerk über den Kreis Angerburg, 4. Aufl., Rotenburg (Wümme) 2008, S. 308 f. und S. 434; Pfeiffer, Erich, Der Kreis Angerburg. Ein ostpreußisches Heimatbuch, 2. Aufl., 1998., S. 66 f. u. ö. und S. 213 f.
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Heyl und Laser waren nun gestern nicht da, weil sie dienstlich behindert waren (Heyl in Goldap).
Für uns wäre die Sache von großer Bedeutung. Auch wären die  In Klein Steinort, vgl. APO, Bestand 382 FA Lehndorff, Nr. 275 (Bau eines Kammer-Ringofens, 1898-1901).
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Ziegelei
und das neue Sägewerk im Walde anzuschließen. Die Euer Hochgeboren zugesandten Papiere bezogen sich auf Interessenten aus den anderen Kreisen, die sich bereits für den Beitritt erklärt hatten. Hoffentlich lässt der Kreis Angerburg es sich angelegen sein, seine Teilnahme an dem großartigen  Möglicherweise geht es um die Elektrifizierung.
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Unternehmen
baldmöglichst zu erklären.

 Schon im Brief vom 1. Oktober 1913 ging es um die Zahlung der Provinzialhilfskasse. Das Geld - 14.500 M - war für den Schulneubau in Stobben bestimmt, und Dehn bat Lehndorff, „da dieses sozusagen gefundenes Geld ist“, ihm dasselbe „zur Bezahlung von vorjährigen Schulden zu überweisen“, vgl. in der Akte, Bl. 122-123v.
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Mittlerweile ist das Geld von der Provinzialhilfskasse eingegangen und haben wir außer Landwirtschafts-Gesellschaft 5.000 und Schneider 2.000 M noch alle kleinen Schulden bezahlt, so dass wir noch Geld zum ersten   Unleserliche Stelle [...] haben werden.
Ich möchte gerne noch so eine Quelle entdecken, wo es so leicht ist, Geld zu haben.

Gestern kamen 2 Baronessen aus Wohnsdorf mit 4 Pferden an, auch 4 Pferde und 7 Hunde aus Lugowen.   Unleserliche Stelle [...] soll zu den Baronessen gesagt haben, Herr Graf hat befohlen nur jenseits der Bahn zu reiten? Das Terrain ist dort nicht sehr verlockend, von Bahn und Wäldern umgrenzt, dann die vielen eingezäunten Drainagegräben und das Taberlacker Forstbruch. Vielleicht geben mir Herr Graf noch Labab, Stawisken und Rosengarten frei? Auf Taberlacker Feld ist auch noch frische Drainage. Ferner möchte ich die Saatfelder schonen, damit die Pächter keine Klage haben. Über das Reiten selbst werde ich die Beteiligten benachrichtigen. Mit Kartoffeln und Rüben bin ich fertig, und Wruken habe noch 1 1/2 Tage zu fahren. Wir fangen nun an zu dreschen und Dung zu fahren.

Füllen haben leichte Druse, die hoffentlich bald vorübergeht.

An Rechtsanwalt Siebert habe ich die Taxe der Landschaft und der Landesbank abgeschickt. Die Taxe der Landgesellschaft muss Siebert nebst den Karten in Händen haben.

Frau Baronin kann erst Mittwoch Abend kommen, da Geheimrat von Gottberg gestorben ist, der Mittwoch begraben wird.

Mit der Bitte um baldige Nachricht über das Terrain zum Jagdreiten und mit vorzüglicher Hochachtung bleibe ich Euer Hochgeboren sehr ergebenster Dehn