Beynuhnen, 4. November 79

Hochgeschätzte Frau Gräfin!

Es ist mir wahrhaft betrübend, dass ich stets auf Ihre so gerechtfertigten Wünsche nach den Briefen Ihres Herrn Schwiegervaters, die in Angerapp sich vorfinden sollten und eigentlich auch vorfinden müssten - stets mit derselben Antwort komme: „Dass dieselben sich nicht auffinden lassen!‟

Außer einigen Briefen Ihrer Frau Schwiegermutter an den Vater habe ich von dem Grafen Lehndorff keinen Brief auffinden können, trotz der so langen Freundschaftsverhältnisse. Fremde, unnütze Hände sind damit gewiss roh verfahren, borniert und täppisch eingreifend in das Recht eines alten und ehrwürdigen Verhältnisses. Und mache ich mir selbst jetzt den Vorwurf, mich um solche unersetzlichen Reliquien einer alten ehrwürdigen Vergangenheit viel zu spät bekümmert zu haben. Wenigstens will ich Sorge tragen, dass das, was gerettet ist, weiter nicht verloren gehen soll.

Ihrer gütigen, so sehr freundlichen Einladung wäre ich gewiss in diesem Herbst schon gefolgt, wenn ich nicht viele Wochen lang an heftigen reismatischen Schmerzen gelitten. Nun hoffe ich freudig, dass das neue Frühjahr mir auch das schöne Steinort in leuchtendem Glanz zeigen soll!

Erhalten Sie mir Ihr gütiges Wohlwollen, welches mich glücklich macht. Den geehrten Ihrigen meine wärmsten Empfehlungen

In treuer und voller Ergebenheit F. von Farenheid