Mittenort bei Steinort in Ostpr., 1. Februar 1916

Euer Hochgeboren!

Von heute ab hat Herr Oberinspektor Schulz sämtliche 30 Russen aus Groß Steinort für seine Arbeit genommen, so dass im Belauf Groß Steinort keine Gefangenen mehr arbeiten. Ich habe beim Gefangenenbewachungsoffizier in Angerburg möglichst schnelle Überweisung von weiteren 10 Russen nach Steinort zur Waldarbeit beantragt. Diese 10 Gefangenen können in einer Wohnung im Dorf untergebracht und mit den übrigen Gefangenen zusammen bespeist werden, was ich heute mit Herrn Schulz vereinbarte. Der letzte Holztermin in Drengfurth brachte 2.473 M. Von Goldmünzen ist nichts eingegangen, trotzdem ich dafür einen Erlass von 5 % des Kaufpreises in den Blättern zugesichert hatte. Die Kahlschläge habe ich vorläufig eingestellt und bin mit der Aufarbeitung des trockenen und Windbruchholzes beschäftigt, da dieses zum Teil noch vom vorigen Winter liegt und in diesem Jahr bei dem bis jetzt frostfreien Boden viel Holz gewesen ist. Der Abschuss des Kahlwildes ist erledigt. Förster Wenk hat in seinem Belauf einen kranken geringen Schaufler erlegt, ihm war der linke Hinterlauf zerschossen. Schütze hat einen kranken Spießer abgeschossen. Jetzt ist noch ein geringer kranker Schaufler und ein Spießer mit drei Läufen vorhanden, welche ich noch beide abschießen lassen will. Hier ist sämtlicher Schnee mit Regen fortgegangen. Augenblicklich ist ganz geringer Frost, so dass die Wege im Freien abtauen, im Walde jedoch noch nicht. Die Holzabfuhr ist dadurch sehr erschwert, was bei dem vorhandenen geringen Pferdematerial umso mehr ins Gewicht fällt. Das verkaufte Holz wird aus diesen Gründen voraussichtlich zum größten Teil nicht abgefahren werden können und über Sommer im Walde liegen bleiben müssen, wenn nicht recht bald ganz andere Witterungsverhältnisse eintreten. Für das Wild ist ja das Wetter jetzt gut.

In aller Ehrfurcht Euer Hochgeboren gehorsamster Walter Hr. Hochgeboren dem Rittmeister Herrn Grafen Lehndorff-Steinort z. Zt. in Berlin