Schlobitten bei Mühlhausen in Ostpreußen, den 16. Januar 1837

Sehr verehrter Herr Graf!

Mit mehrer herzlicher Teilnahme haben ich, meine   Amélie, geb. Gräfin von Schlieben
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Frau
und Töchter über Königsberg und Wilken Nachrichten Ew. Exzellenz und der verehrten Ihrigen erhalten und ersehen, wie Sie durch das schreckliche Scharlachfieber geängstigt worden sind, wie aber doch Gottes Gnade die Gefahr abgewandt hat. Empfangen Sie, teuerster Herr Graf, deshalb meinen sehr innigen Glückwunsch, sowie den meiner Frau und Töchter, die sich Ihnen und der gnädigen Frau Gemahlin gehorsamst empfehlen lassen. Ich bitte Ihro Exzellenz meinen ergebensten Respekt zu versichern.

Hier in Schlobitten hat auch eine Krankheit geherrscht, nämlich die Grippe, welche die mehrsten auf einige Zeit im Zimmer und einige Tage im Bette hält. Nun sind wir indessen sämtlich wieder in Bewegung.

Wahrscheinlich werden wir im Februar auf einige Woche nach Königsberg reisen. Es wäre mir sehr erfreulich, wenn wir hoffen könnten, Ew. Exzellenz auch dort zu treffen. Vielleicht führt Sie der Landtag dorthin. Vom hiesigen Kreise werden Sie als Deputierten den Grafen Finckenstein-Jeschkendorf und den Grafen Dohna-Reichertswalde da antreffen.

Dass ich mit meiner Familie den Herbst in Charlottenburg und Berlin zugebracht habe, wird Ihnen bekannt sein. Der dortige Aufenthalt bei meiner Tochter Marianne und in der Nähe meiner Enkel(?) hat mir und den meinigen viel Freude gemacht. Im November kehrte ich von da zurück und habe noch nie so einsam hier gelebt als seit der Zeit, die schrecklich schlechten Wege hinderten alle Verbindungen und beschränkten mich ganz auf Schlobitten. Mit Ungeduld erwarte ich den Sommer, in welchem ich Hoffnung habe, meinen Bruder, den General aus Trier, hier zu sehen, sowie auch meine Tochter Marianne. Wenn es irgend möglich ist, werde ich in der guten Jahreszeit mir die Erlaubnis erbitten, Ihnen meine Aufwartung in Steinort zu machen.

Nun gestatten Sie mir noch eine Anfrage. Wie ich höre, haben Ew. Exzellenz einen vortrefflichen Wirtschafter namens Schiemann, der bei Ihnen nicht fest angestellt eine Inspektorstelle sucht. Den 25. Mai geht der Inspektor meiner Prökelwitzschen Güter namens Mercker ab, um eine Pacht anzunehmen. Ich bin nun so frei, Ew. Exzellenz gehorsamst zu fragen, ob Sie mir den H. Schiemann zur Anstellung in Prökelwitz wohl überlassen möchten? und ob Sie ihn mir dazu empfehlen können? Mit dem Posten sind 200 Rtlt. jährliches Gehalt, 10 Rtlr. Frühstücksgeld, frei Essen und Trinken verbunden. Beweist sich der Inspektor zu meiner Zufriedenheit, so lege ich nach einem Jahr 40 Rtlr. an jährlichem Gehalt zu.

Da ich im vorigen Jahr verschiedene Prökelwitzsche Vorwerke verpachtet habe, so stehen unter der Administration des Inspektors nur 4 Vorwerke. Vermutlich kommt nach einem Jahr noch ein 5. Vorwerk, dessen Pacht alsdann abläuft. Die Geschäfte des Inspektors sind daher nicht so sehr schwierig und angreifend, dass sie nicht von einem tüchtigen Mann ohne große Aufregung bestritten werden können.

Es würde mir ganz vorzüglich wert und wichtig sein, von Ew. Exzellenz aus dem in aller, besonders in ökonomischer Ansicht so trefflich eingerichteten Steinort einen Inspektor für meine Güter zu erhalten.

Sehr inständig bitte ich dieses gütigst zu beherzigen und mir recht bald hierüber eine geneigte Antwort zu erteilen. Sollten Sie es billigen, so schreibe ich geradezu den H. Schiemann.

Es sind die Gesinnungen der vorzüglichsten Hochachtung und wahren freundschaftlichen Anhänglichkeit, mit denen ich verharre, teurer Herr Graf,
Ew. Exzellenz ganz ergebenster Diener
Graf Dohna