Friedrichstein, 5. Dezember 1874

Sehr verehrte teure Cousine,

in der Angelegenheit der von Ihnen beabsichtigte Gründung eines adeligen Fräuleinstiftes für die Provinz Preußen, auf welches wohltätige Unternehmen, wie Sie mir mitteilen, Ihre Interessen und Ihre Wirksamkeit schon seit Jahren gerichtet sind, haben Sie durch Ihr gütiges Schreiben vom 25. v. M. mir anheimgestellt, durch einen entsprechenden Beitrag zu den Gründungs-Mitteln auch meinerseits eine geringe Mitwirkung zu leisten.

Je höher ich das mir darin erwiesene ehrende Vertrauen zu schätzen weiß, desto mehr gereicht es mir zu großem Bedauern, dass meine Vermögensgrundlage mich nicht in den Stand setzt, dem gedachten edlen Zweck durch Anerbieten eines irgend angemessenen Beitrages förderlich zu werden.

Mir ist, zu einer Zeit, wo der Grundbesitz in unserer Provinz dem völligen Ruin nahe war, ich darf im Verhältnis zu meiner Lebensstellung, wohl sagen, so gut als gar kein Erbteil zugefallen, und ich habe mich dann meine langen Dienstjahre hindurch mit meinen Kräften mühsam durchkämpfen müssen. Und wenn es mir später, seitdem ich aus dem Dienst geschieden, bei eigenen geringen Bedürfnissen, erst möglich geworden ist, einige Gelder zurückzulegen, so habe ich über diese in meinem Testament bereits anderweitig vollständig verfügt; unter welchen Umständen ich nach langem Hin und Hersinnen mich habe entschließen müssen, mir eine Mitwirkung an Ihrem hochherzigen Unternehmen zu versagen, wenn auch, wie gesagt, mit lebhaftem Bedauern, einem mir ausgesprochenen Wunsch meiner hochverehrten Cousine nicht entsprechen zu können, deren mir immer bewiesenes Wohlwollen ich mir hoffentlich dadurch nicht verscherzt haben werde.

Sie laden mich so gütig zu einem Besuche nach Steinort ein. Allein, teure Cousine, ich bin durch vieljährige Abgeschlossenheit ein ganz verrosteter alter Einsiedler geworden und für geselligen Umgang ganz unbrauchbar; demnach ich schon längst jeden auswärtigen Besucher meiner Angehörigen in Friedrichstein immer hätte um Entschuldigung bitten mögen, dass er auch meine schwerfällige Umgebung hier mit hinnehmen müsse; diesen aber freiwillig in andere Kreise zu tragen, halte ich längst schon für ganz unerlaubt, und glaube das Wohlwollen meiner Freunde mir sicherer durch Abwesenheit zu bewahren. Erhalten Sie mir gütigst auch das Ihrige, das mir unschätzbar ist!

Meine teure Schwägerin Pauline hat in diesen Tagen von Berlin kommend in Quittainen eintreffen wollen; ob es schon geschehen, weiß ich nicht; etwa 8 Tage später sollte sie ihr ältester Sohn von dort abholen und hierher geleiten.

Mit der Bitte, meinen lieben Vetter Carl und meiner Cousine Annily mich angelegentlich zu empfehlen, Ihr in treuester Verehrung und Ergebenheit gehorsamster Dönhoff