Möglin, den 14. januar 1810

Gnädigster Herzog!

Der Brief beginnt mit Ausführungen zu der bevorstehenden Hochzeit des Prinzen Wilhelm von Holstein-Beck mit der Prinzessin Luise von Hessen-Kassel am 26. Januar 1810.

Sie geben mir den Auftrag, Gnädigster Herr, Ihnen noch die Ackerinstrumente zu bestellen und einige Sämereien zu besorgen. Ersteres habe ich vorläufig getan und werde die Sämereien mitbringen, wenn Sie sie noch befehlen, da ich zur Zeit ihrer Einsaat bestimmt wieder in Preußen sein werde. Sagen Sie mir aber, ob es noch dabei bleibt, oder ob die Reisepläne auch vielleicht einen Einfluss auf Ihre wirtschaftlichen Operationen haben werden, und Sie nun keinen Wert mehr auf neue Anwendungen legen.

Thaers Werk wurde kurz nach Erscheinen in Wien preiswert nachgedruckt, in Lehndorffs Augen ein Diebstahl. Ich wünschte, dass unsere Buchhändler sich nicht mit dem Debit dieses Nachdrucks befassten. Doch das wird wohl nicht zu vermeiden sein.

  Editorische Auslassung [...]

Sie wissen wahrscheinlich schon, dass Aweyden mit seinen Dependenzien vom Staat erkauft werden soll, um dort eine Model- und Experimental - und sozusagen eine Pepinière-Wirtschaft unter der Direktion des jetzigen Besitzers Eichler zu etablieren. Die Idee macht dem Gouvernement Ehre, ich zweifle aber, dass der Erfolg das Werk krönen werde, und dass der Zweck erreicht werden wird. Ich habe den Plan zu der ganzen Sache gelesen und mit dem Staatsrat so recht analysiert. Er ist um sein Gutachten darüber gefragt worden, und hat es nach seiner Herzensgüte und Nachsicht vorteilhaft für Eichler gegeben, doch ist er meiner Meinung über den schwerlich erfüllten Zweck. Nach dem eingereichten und detaillierten Plan des Besitzers scheint es mir nicht der Mann zu sein, der ein so wichtiges Werk dirigieren könnte, und nach meinem Glauben scheint es mir eine Finanzoperation von ihm zu sein, um sein Gut vorteilhaft zu verkaufen, für das man ihm durch Vermittlung von Auerswald 170.000 Tlr. geben will. Doch ist es besser, dass doch etwas zum Guten geschehe als gar nichts, und es ist wenigstens ein eröffnetes Feld für die Zukunft, und was die Direktion anbetrifft, muss man sich mit dem Sprichwort trösten:  Unter Blinden ist der Einäugige König.
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au royaume des aveugles, les borgnes sont rois
. Das wäre so recht ein Unternehmen für den Staatsrat, verbunden mit einem Institut nach dem hiesigen Fuß eingerichtet. Welcher Segen könnte daraus für unser Vaterland entsprungen, und Thaer wäre nicht abgeneigt zu dieser Versetzung. Doch dieses alles unter uns, Gnädigster Herr!

In Berlin ist - eine rasende Wirtschaft! Eine Menge  Schwätzer
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faiseurs
, Anstellungen und Pensions regnen, und man sollte glauben, unser kleiner Staatsbeutel wäre der Ölkrug von Sarepta geworden. Neue Hofetiketten, Kuren, neue Orden, Neuerungen aller Art beschäftigen Hof und Stadt. Das alles aber greift nicht ein und will nicht passen. Es kommt mir vor, als jemand, der eine neue Wechselwirtschaft etablieren will, und weder Dünger noch Viehstapel hat, und den Übergang nicht versteht. Ich will wünschen, dass der Staat nicht das Schicksal solcher Wechselwirte teilen möge.

  Editorische Auslassung [...]

Carl Lehndorff