Waldburg, 21.10.93

Meine liebe Anna

Viel, sehr viel habe ich gestern nach dem lieben Steinort und zu Dir hingedacht mit tiefen wehmütigen liebenden Gedanken, und der schöne stille Begräbnisplatz stand mir stets vor Augen im Schmuck des Herbstlaubes, mahnend und erinnernd, ein langes Zusammenleben und viel liebevolle Andenken an der Seele vorbeiführend. Gott habe ihn selig, den geliebten alten Carl, und Friede seiner Asche!

Georgs Rede, die mir gut gefallen hat, schicke ich Dir hierbei  Liegt der Akte nicht bei.
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, ich habe mich über alle seine Satisfaktionen sehr herzlich gefreut.

Dass die Sache mit dem neuen Hofgarten gut zu gehen scheint und für die Folge viel verspricht, freut mich wohl sehr, damit Deine vielfachen Sorgen und Mühen, wenigstens von dieser Seite eine Nahrung zu ziehen, endlich einmal aufhören; eine Notwendigkeit, die ich dem Franz(?) darzulegen versucht habe, so leicht es auch einzusehen scheint. Wenn sich die Steinorter Wirtschaft endlich balancieren wird, dann werden auch Deine ganzen Verhältnisse mehr Gleichgewicht bekommen, was zu deinem Mute recht notwendig ist, und das jetzige Pulverfass wird endlich aufhören, vorausgesetzt, dass Carol Dir nicht mehr große Steine in den Weg wirft, nachdem sich die kleineren beseitigen.

 Eine Hahn-Schlippenbachsche Verwandte, vgl. APO, Bestand 382 FA Lehndorff, Nr. 418.
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Manita
mit Tochter sah ich eben in Friedrichstein, wohin ich von hier aus einige Tage gegangen war, einen davon mit Eberhard und Margaretha, die für deine Grüße herzlich danken für sich und die Kinder. Es ist doch ein forscher Ort, der Friedrichsteiner, und hat mir Freude gemacht zu besehen.

Unser Arrangement in Berlin hält sich ein bisschen auf, dadurch sind wir von Spandau nochmals in diese Region zurückgekehrt und gehen erst übermorgen nach Hause.  Das Schloss Preyl am Wargener Mühlen- bzw. Kirchenteich entstand 1890 bis 1894 ca. 15 km westlich von Königsberg, vgl. https://www.ostpreussen.net/ostpreussen/orte.
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Der Bau in Preyl macht manche(?) ernste Sorge, geht aber im Ganzen gut vorwärts, wenn auch mit mancher noch nachträglichen ändernden Überlegung, wie das nicht ausbleiben kann.

Hoffentlich wird es mit Deiner Meierei gut gehen, wenn die Kühe genügend Milch geben; die Baulichkeit der alten Brennerei eignet sich ja in allen Teilen ganz vorzüglich zu dem Unternehmen. - Die Otto Schwerinsche Zinsgeschichte bedaure ich - ganz abgesehen von etwa auf mich treffende Interessen, von denen ich hier gar nicht rede und die ich stets hintenan setze, wenn von Schwierigkeiten für Dich die Rede sein kann - aber Ottos pekuniäre(?) Maßregeln bekümmern mich doch sehr, da er doch einmal ein Schwerin ist, und dass(?) Du jetzt erfährst,   Unleserliche Stelle [...] spricht wenig für seinen Ernst in solchen Sachen.

Du sprichst über Dein persönliches Befinden leider gar nicht, was mich doch ganz hervorragend interessiert, und ich hoffe sehr für ein gutes Omen annehmen zu dürfen, würde Dir aber für ein bisschen Bericht darüber nach Berlin sehr dankbar sein.

Gott befohlen! meine liebe Anni, grüße die Kinder und bleibe   Textverlust [...] alten Heinz