Groß Cammin, 27. Juli [1879]

Teure Gräfin

leider kann ich mich nur mit einer einzelnen Gabe beteiligen und mich nicht zum Sammeln entschließen. Meine Schwiegertochter interessiert sich schon seit längerer Zeit sehr für die Stadtmission, meine Kinder hatten viel Verkehr mit Stoecker, der auch bei ihnen Vorträge hielt, dennoch findet Else auch, der ich gleich darüber schrieb, es unmöglich, in Dönhoffstädt dafür zu sammeln. Wir haben es so vielfach erfahren, wie in Schlesien, wo diese Sammlungen auch stattfanden, die Landleute es gar nicht begreifen können, dass die aus den Provinzen nach Berlin Gezogenen von ihnen unterstützt werden sollen, während es der Schaden der Provinz ist, dass die Arbeitskräfte nach Berlin ziehen. Diesem liegt ja ein Widerspruch der Tendenz des Vereins zum Grunde, aber vom Standpunkte der Landleute ist diese Anschauung doch eine natürliche. Darf ich Sie nun wohl bitten, teure Gräfin, den kleinen und einmaligen Beitrag von 60 Mark, den ich auf Postkarte sende, unter der Rubrik der außerordentlichen einmaligen Liebesgaben Ihrer Sammlung einverleiben zu wollen? Die Beiträge meiner Schwiegertochter flossen schon indirekt der Berliner Stadtmission zu.   Editorische Auslassung [...]

In herzlicher Verehrung Ihre ergebene Marianne Stolberg