19. September.   Editorische Auslassung [...] Lehndorffs Frau wird von einem Sohn entbunden. Meine Freude übersteigt daher alle Grenzen. Wenn nur Gott mir diese inniggeliebte Frau erhält!   Editorische Auslassung [...] Meine Schwester Schlieben und der gute Arzt Brodthagen leisten mir bei dieser Gelegenheit gute Dienste. Die gute Gräfin Keyserlingk besucht uns gleich; dies vortreffliche Haus verleugnet sich eben bei keiner Gelegenheit.

20. September. Ich lasse meinen Sohn durch Herrn Behr von der reformierten Kirche taufen. Er bekommt die Namen Christian Friedrich Karl Ludwig. Graf Keyserlingk, dessen Frau Mutter, der Oberburggraf Kunheim und meine Schwester Schlieben halten ihn über die Taufe. Diese findet 12 Uhr statt, und um 1 Uhr ist schon alles vorbei. Ich liebe es nicht, dass man aus einer religiösen Handlung ein weltliches Fest macht.

Ich fühle mich in Preußen sehr glücklich; dieses Land würde mir noch mehr gefallen, wenn ich in meiner Familie jene Denkart fände, die ein Zusammenleben angenehm macht. Selbst das Klima sagt mir zu. Ich esse gute Früchte und fühle mich recht wohl dabei.  Gemeint ist das Haus von Heinrich Christian und Caroline Amalie von Keyserlingk. Mit ihrem Mann unterhielt Caroline in Königsberg den berühmten „Musenhof der Keyserlings‟.
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Es ist besonders das Haus Keyserlingk, das mir Preußen so lieb macht.
Man findet in diesem Haus stets Fremde, die nach Russland gehen oder von dort kommen. Eine für unsere Gegend sehr interessante Frau ist die Vicomtesse Herreira, die Frau des spanischen Gesandten, die auch hier durchkommt.   Editorische Auslassung [...] Auch französische Offiziere reisen hier durch; es sind recht liebenswürdige Leute.

Oktober. Ich bleibe bist Mitte des Monats noch in Königsberg und begebe mich dann nach Steinort, wo ich mich 14 Tage aufhalte. Die Wege werden schon furchtbar schlecht, und obwohl ich hierher zurückkehren zu können hoffe, so kann ich mich doch nicht darauf verlassen. Über Gerdauen und Sanditten gehe ich also zurück, und die guten Keyserlingk kommen uns entgegen und bringen mich zu meiner Frau. Ich finde sie wieder gut hergestellt und meinen Jungen gesund und kräftig.

 Im selben Jahr war auch der König mit dem Kaiser zusammengetroffen, für Lehndorff ein „Hauptereignis dieses Jahres“, ebd. S. 188.
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Prinz Heinrich, der in Stockholm war, reist nach Petersburg, einer Einladung der Kaiserin nachkommend,
und wird über alle Beschreibung gefeiert.  Am 17. Februar kehrt der Prinz nach Berlin zurück. Zum Besuch in Petersburg ebd,, S. 197 f.
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Man erwartet ihn in Preußen, und man quält mich, hier zu bleiben.
Ich bleibe aber fest und reise ab.

Am 12. November reist Lehndorff über Pillau - „zum Teil über die See, was mir etwas ungewohnt vorkommt“ - und Danzig nach Berlin. Hier trifft er am 24. November ein.