Vgl. dazu weitere Ausführungen ebd., z. B. am 20. September, S. 297.
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Ich führe in meinem Haus wieder die alte Ordnung ein.
Ich schimpfe und lobe, je nachdem, wie sich jeder geführt hat. Es gibt viel zurechtzurücken. Ein großer Gutsbesitzer darf sich nicht zu lange von seinem Land entfernen, sonst funktioniert die Maschine nicht mehr richtig, und es ist viel Geduld nötig, um die Ordnung der Dinge wiederherzustellen. Besonders die guten Sitten und der gute Ton gehen verloren.   „Ich nehme am Gespräch mit meinen Verwaltern, meinen Bauern, meinen Untertanen das gleiche Interesse, wie ich es in Berlin an der Gesellschaft der Minister, Generale, Prinzen und Majestäten genommen habe“, ebd., S. 304.
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Ich kehre zu meiner alten Ansicht zurück, wonach es keinen Unterschied macht, ob man 50 Leute oder einen der großen Höfe zu regieren hat.
Die Menschen haben die gleichen Vorlieben, das gleiche Verhalten, einen ebenso intriganten Geist, die gleichen Abneigungen, den gleichen Wunsch, sich gegenseitig zu schaden, um selbst die Oberhand zu gewinnen - nur die Wichtigkeit der Dinge, um die es geht, ist verschieden.

Die Ernte dieses Jahres wäre ohne den dauernden Regen hervorragend ausgefallen. Nun wird es sehr schwierig sein, die großen Verluste zu verkraften. Meine wichtigste Aufgabe ist zur Zeit, einen Überblick über meine Konten zu bekommen. Ich sehe mit Kummer, das wir drei schlechte Jahre hintereinander gehabt haben. Dass ist umso einschneidender, weil ich in dieser Zeit durch meine Reise, die Verheiratung meiner Tochter, die Zahlung der Schulden meines ältesten Sohnes, die Etablierung meines Juniors fast 100.000 Taler ausgegeben habe. Ich hoffe, dass der Rückzug auf meine Güter nach und nach diese Lücke schließen wird.

Seitdem ich hier bin,  Und aus den Briefen, die aus Berlin eintreffen, u. a. von seinem Sohn, vgl. ebd., S. 294 ff. - Die Ankunft der Post verband ihn „mit der großen Welt“.
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kann ich die politischen Entwicklungen nur durch die Lektüre der Hamburger Zeitungen verfolgen.
  Editorische Auslassung [...] Zar Paul, der eine wichtige Rolle spielt, wird sich noch in diesem Monat mit dem  Franz II.
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Deutschen Kaiser
in Krakau treffen. Ich fürchte nur, dass sich ihre Verhandlungen auch gegen Preußen richten. Die weise Festigkeit und Unparteilichkeit unseres tugendhaften Herrschers ist bewundernswert - aber ist sie auch klug? Man muss abwarten.

 Dieser sucht Lehndorff auch in den folgenden Tagen auf. „Die kleinen Dinge der Gutsverwaltung sind sehr unangenehm, besonders weil das ungebildete Volk nichts versteht. Der große Fehler der Preußen ist die Trunksucht und alle Dummheiten, die daraus folgen.“ Es geht nochmals um den Gastwirt, aber auch um einen Schulmeister für Engelstein, ebd., S. 301. - Mit der Arbeit Skopniks ist Lehndorff nicht zufrieden, so dass er im Oktober den Justizbürgermeister Schwartz aus Angerburg zu seinem Rechtsvertreter macht. - Die Rechtspflege sei in Ostpreußen, „langsam und schlecht organisiert“, ebd., S. 313.
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Ich habe den Justizbürgermeister Skopnik als Justitiar bei mir.
Ich spreche mit ihm über Gerichte und Prozesse. Ich möchte, dass ein schlechter Gastwirt mit Namen Uwis seine Anstellung verliert. Vor drei Wochen habe ich noch mit der gleichen Beflissenheit mit dem König und der Königin von Preußen und bedeutenden Männern Europas gesprochen. So muss ein Mann seinen Standpunkt in verschiedenen Situationen vertreten können und seien Pflichten jeder Zeit und unter allen Umständen getreulich erfüllen.   Editorische Auslassung [...]

Zitierhinweis

Tagebucheintrag von Ernst Ahasverus Heinrich Graf von Lehndorff. Steinort, 14. September 1799. In: Lebenswelten, Erfahrungsräume und politische Horizonte der ostpreußischen Adelsfamilie Lehndorff vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Bearbeitet von Gaby Huch. Herausgegeben an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 2019. URL: lebenswelten-lehndorff.bbaw.de/redirect.xql?id=lehndorff_gzb_dtf_zdb