Den Abend verlebte ich ganz reizend bei dem jungen Grafen Podewils in kleiner Gesellschaft. Die Wirtin macht bei der ersten Begegnung keinen angenehmen Eindruck; ihre kalte Miene, der unangenehme Klang ihrer Stimme, das stolze Auftreten lassen es nicht wünschenswert erscheinen, die Bekanntschaft mit ihr fortzusetzen. Wenn man sie aber näher kennen lernt, dann sieht man, dass es eine liebenswürdige Frau ist, die ein verbindliches Wesen, einen vortrefflichen Charakter und jene seltene Eigenschaft besitzt, immer mehr an Achtung zu gewinnen, je genauer man sie kennen lernt. Ihr Gatte nimmt anfänglich ebenso wenig für sich ein, dass er Geist besitzt, merkt man sofort, aber es scheint, als ob er damit prunkt, ein Eindruck, der sich indes im weiteren Verlaufe verliert. Er besitzt einen natürlichen und scharfen Verstand, was schon daraus zu schließen ist, dass er in allen Lebenslagen immer die richtigen und einfachsten Mittel ergriffen hat, um sein Ziel zu erreichen. Nachdem er dem König als Gesandter an mehreren Höfen die nützlichsten Dienste geleistet, hat er sich auf seine Güter zurückgezogen und führt ein herrliches Leben. Den Winter verlebt er in Berlin und zwar ausschließlich im Umgang mit seinen Freunden; die öffentlichen Festlichkeiten besucht er nur notgedrungen. Sein Gesicht wirkt abstoßend, aber die Eigenschaften seines Herzens lassen schnell diesen üblen Eindruck vergessen.