Editorische Auslassung [...] Lehndorff hält sich nach seiner Rückkehr aus Berlin bei seiner Nichte Groeben auf. Das Oberhaupt dieser Familie, der Landhofmeister und Staatsminister von Groeben, ist im Alter von 73 Jahren in Königsberg gestorben. Er war ein kluger Mann mit einem edlen Gesicht und noblem Benehmen, etwas kurz angebunden und von entschiedener Art, ein guter Kerl und schlechter Haushälter. Er war gern unter Menschen und konnte eine ganze Gesellschaft in Schwung bringen. Er stammte sowohl väterlicher- wie mütterlicherseits von unseren besten Familien ab. Seine Mutter war eine geborene von Eulenburg, seine Großmutter eine geborene von Wallenrodt. Alle diese können noch von 36 adligen Ahnen sprechen, was immer seltener wird und schlimmere Folgen hat, als man sich vorstellen kann. Diese Kraft, diese Tugenden des alten Adels verlieren sich allmählich und haben ehemals zu ausgezeichneten und ehrenhaften Taten angeregt. Ich bin noch immer ganz erfüllt und erinnere mich mit Verehrung an die Lehren meiner Großmütter Dönhoff und Wallenrodt, die mich stets zur Tugend ermuntert und mir gepredigt haben, meinen Vorfahren durch gute, ausgezeichnete Taten und die Treue zu meinem Herrscher Ehre zu machen. So sagte auch Kaiser Leopold, dass der alte Adel die wahre Stütze und der Ruhm seines Thrones sei. Ich denke mit Rührung an die Einfachheit der Sitten und die Größe der Gefühle meiner Vorfahren.  Vgl. die familiengeschichtlichen Aufzeichnungen über das Burggrafenamt in: GStA PK, XX. HA, Rep. 54 Gutsarchiv Lehndorff-Steinort, Nr. 5.
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Mein Großvater, der große Burggraf Lehndorff,
richtete morgens vor allem anderen folgendes Gebet an den Allmächtigen: „Gib das ich rede stets, womit ich kann bestehen, lass kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen, und wenn in meinem Amt ich reden soll und muss, so gib den Worten Kraft und Nachdruck, ohn Verdruss.‟

Ich sehe noch oft meine vorbildliche, tugendhafte Großmutter Wallenrodt in schwarzen Kleidern, von vornehmer Einfachheit, auf einem hohen Stuhl in Decken gehüllt sitzen, wie sie weise und gütig zu ihren Leuten sprach, sich um die Kranken kümmerte, allen Gutes tat, sich selbst jeden Luxus verbat und zu ihrem einfachen Pult ging, das keine drei Taler wert war, um daraus 30, 40 Dukaten zu holen, um einem Armen zu helfen. Sie rühmte sich nie dieser edlen Gesten und prägte mir bei jeder Gelegenheit ein, dass allein die Ehre den Edelmann auszeichne.