Als ich erwache, erhalte ich die betrübendste, traurigste Nachricht. Die Königin-Mutter ist tot! Die Königin ist nicht mehr! Ein unersetzlicher Verlust! Das königliche Haus, der Adel und das Land werden den Tod dieser Königin niemals genug beklagen können. Sie war gut, mildtätig und besonders sehr gnädig, indem sie die ganze Höflichkeit des früheren Hofes besaß, Würde in ihrer Haltung und Adel in ihrer Gesinnung.   Editorische Auslassung [...]

Im übrigen herrscht große Ratlosigkeit, niemand will eine Verantwortung übernehmen. Die Herren Kabinettsminister, die man gleich hat kommen lassen, um die Siegel anzulegen, wagen aus Furcht, dem Herrn zu missfallen, nichts bezüglich des Begräbnisses anzuordnen, die Prinzessin Amalie desgleichen. Diese ist übrigens mehr mit dem Trauerzeremoniell beschäftigt, als mit ihrem Schmerz, der nach meiner Auffassung sehr groß sein müsste, weil sie die würdigste Mutter verloren hat. Aber schon lange herrschte Kälte zwischen beiden, und man schiebt einen großen Teil der Schuld an der Krankheit dem Ärger zu, der seinen Grund darin hatte, dass die Prinzessin dem König empfahl, der Königin-Mutter nichts mitzuteilen, weil diese kein Geheimnis bewahre.   Editorische Auslassung [...]

Noch etwas regt mich auf; es ist der Umstand, dass die Prinzessin Amalie sofort den alten Pöllnitz kommen lässt, um die Anordnungen für die Beisetzung der Königin zu treffen, den Mann, den die Verstorbene wegen seiner Laster und wegen seines Abfalls vom Glauben verabscheute, und dem sie seit mehr als sieben Jahren den Hof verboten hatte. Als ich abends zur Königin komme, finde ich alles mit Trauerkleidung beschäftigt; man spricht viel von Drapieren, Empfanghalten und allen möglichen Förmlichkeiten, aber nur wenig von der Entschlafenen. So ist die Welt.